mushouyagi

Logbuch des Experiments, das wir LEBEN nennen.

Facebook, Internet und überhaupt! #nofacebook

Da zieht mein Leben an meinem Auge vorbei und zwar in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Nicht, dass ich Drogen konsumiert hätte, oder dem Tode nahe sei. Ich hab einfach mal begonnen über Facebook nachzudenken und seine Rolle als das Social Network überhaupt. In mir reift dabei das Bedürfnis nach eine #nofacebook Aktion, woraufhin ich nun begonnen habe meine Timeline und damit alle Dinge, die ich je auf FB seit Dezember 2009 unternommen habe, zu bereinigen.

Nachdem ich zuletzt mit der #nogoogle Aktion mehr oder weniger erfolgreich die erste Datenkrake aus meinem Netzkonsumverhalten verbannt habe, steht somit das nächste Projekt im Raum, dem meine leichte Paranoia Vorschub leistet. Von der ich aber durchaus meine, dass sie mir gut tut.

Ich habe mit #nogoggle tatsächlich den Riesen weitestgehend aus meiner Netzwelt verbannt. Mit der Suchmaschine DuckDuckGo und vielen anderen alternativen Diensten, sowie einem Scriptblocker und weitestgehend manueller Coockie Hygiene im Firefox Browser ist es mir gelungen dem großen G so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen.
Lediglich Youtube und die Google-APIs, die in vielen Webseiten eingebunden sind, lassen sich hier und da nicht vermeiden.

Was mich bei #nofacebook nun umtreibt, sind folgende Punkte:

1. Die neue, ohne Zustimmung einer relevanten Benutzerzahl in Kraft gesetzte und mit einer Pest/Cholera-Wahl verbunden Nutzungs- und Datenschutzrichtlinie von Facebook.

2. Protest gegen die Bestrebungen der Politik weltweit, das Internet zu überwachen, zu kontrollieren und zu reglementieren (Vorratsdatenspeicherung, SOPA, ACTA, Leistungsschutzrecht, Netzsperren, Cyberwarfare, Aufhebung der Netzneutralität, etc.).

3. Protest gegen die Bestrebungen der Wirtschaftssektoren, die den digitalen Wandel verschlafen haben, oder sich neuerdings missachtet und unterbezahlt fühlen, das Internet wegzulobbyieren, weil ihnen das Geschäftsmodell wegbricht. (siehe auch 2.)

4. Ich will kein „Produkt“ sein („If the product is for free, YOU ARE the product“) und die mir eigentlich grundrechtlich zugesicherte Hoheit über meine Daten und Inhalte aufgeben (es sei denn ich entscheide mich bewusst und ausdrücklich dafür), weil mir die modernen Billion Dollar Corporations einen kostenlosen Dienst vorgaukeln und dabei so viel einsacken, dass so manches Drittweltland davon ernährt werden würde können – wohlgemerkt ohne ein einziges greifbares Produkt oder eine sichtbare Dienstleistung zu liefern, sondern bloß damit seinen (Werbe-)Kunden einen nicht nachweisbaren Effekt gegen Einwurf kleiner Münzen zu versprechen. (siehe auch 1.)

5. Schließlich und endlich regiert unter den Nutzern die Dummheit! Entweder aus tatsächlicher Kleingeistigkeit oder unter dem Druck postrukturalisitischer Political Correctness Verpflichtungen oder gar Denk- und Redeverboten, schreiben die Leute nur die dümmlichsten (unverfänglichsten?) Dinge, die allerdings keine Sau interessieren, betreiben peinliche Selbstdarstellung oder plappern einfach nur so vor sich hin.

Guter Inhalt wird konsequent von den meisten ignoriert, wie genauso konsequent Katzenfotos und halb- bis unlustiger Blödsinn „geliket“, „gefavt“ und „gesharet“ wird. Selbst tatsächlich lustiger Blödsinn, sprich: guter Humor, hat es schwer zwischen den ganzen „guten morgen. erstmal kafe!“ und „gleich geht die party ab!!1!“-Einträgen (sic!). Von den „XYZ wird sich heute den Arsch mit Papier abwischen via DAILY HOROSCOPE“-Beiträgen ganz zu schweigen.

ICH HABE KEINE LUST MEHR! Nicht auf Euch, liebe „Real Life Freunde und Bekannte“, sondern auf den „Facebook teaches me to hate people, who I liked, befor I met them here“-Effekt, auch auf diese „Das darf man nicht sagen, weil das ist *hier -ismus Deiner Wahl einsetzen*!“-Scheiß. und erst recht nicht nicht darauf dass mein Mund irgendwann an den Arsch einer anderen Person genäht wird, weil ich die Facebook-Nutzungsvereinbarung akzeptiert habe, ohne sie zu lesen. (siehe entsprechende Folge von South Park).

Natürlich ist das Problem bei FB etwas größer, als bei Google, weil das FratzenBuch auf dem Zuckerberg mittlerweile tatsächlich echte soziale Vernetzung bedeutet, von der ausgeschlossen zu sein man sich irgendwie fürchtet. Google+ zu dissen erschien einfach, weil sich dafür, außer ein paar TechGeeks, niemand zu interessieren schien. (Mittlerweile hat G+ angeblich 250 Mio. Nutzer.) Die Zwangsverplussung kam zum Glück erst nach meinem Ausstieg dort.

Es wird hier voraussichtlich nicht darauf hinauslaufen, dass ich meinen Account lösche, nur um ihn ein paar Wochen später aus lauter Langeweile oder „unter dem Druck der Öffentlichkeit“ doch wieder anlege – zumal man die Daten auf diese Weise sowieso nicht gelöscht bekommt. Natürlich kommt eine Löschung auch deswegen nicht in Frage, weil ich die ein oder andere Seite und Gruppe angelegt habe, die mir trotz aller Probleme oder Brachen in der Vergangenheit als Plattform weiterhin wichtig sind.

Ich bin also wieder mal hin und her gerissen zwischen Post-Privacy und Schutzbedürfnis. Als erste Maßnahme werde ich mich einfach aus der aktiven Teilnahme an (halb-)öffentlich sichtbaren Dingen als Privatperson zurückziehe. Das gilt insbesondere für alle Likes, Kommentare, Shares usw., die man anhand des nun dankenswerterweise verfügbaren Aktivitätenprotokolls einsehen kann. Dort wird alles gelöscht, was nicht repräsentativ ist – also fast alles. Der Rest wird für die Timeline ausgeblendet, sofern er „niemanden etwas angeht“. Kommuniziert wird nur noch, wenn es sich nicht vermeiden lässt, „heimlich“ über Privatnachrichten.

Übrig bleibt für den Betrachter nur noch ein Gerippe, das zeigt, wie eine Internetseite nach dem Leistungsschutzrecht-Fallout und anderen Repressalien durch den europa- und weltweiten staatlichindustriellen Komplex aussehen könnte. Eine Welt in der sich niemand mehr traut etwas zu zitieren oder verlinken, was nicht aus seiner eigenen Feder stammt oder dessen Lizenzierung er sich sicher sein kann, weil er Angst hat, dafür als softterroristischer Urheberrechtsverletzungsvandale (ehemals von Unternehmen „Kunde“ genannt) für einige Jahre eingesperrt zu werden.

Natürlich ist #nofacebook, wie zuvor schon #nogoogle, nur als Kunstaktion zu verstehen und soll weder Euch, noch Marc Zuckerberg oder seine Mitarbeiter persönlich beleidigen.
Ich bin also weiterhin für Euch erreichbar, wäre aber dankbar, wenn ihr als Kommunikationsweg einen der andere unzähligen Dienste nutzt oder das guten alte Telefongespräch wählt, wenn ihr etwas mitteilen wollt. (Annahme des Gesprächs vorbehalten ;-))

Ich mag das Internet wirklich sehr gerne. Ich bin mitten drin, seit es für die Öffentlichkeit existiert. Ich betrachte es als eine Evolutionsstufe der Menschheit.
Daher fordere und praktiziere ich:
– Diversifizierung statt Zentralisierung
– offene Weite statt „Walled Garden“
– bewusste Entscheidung statt Vorgabe
dazu noch:
– Öffentliches nützen und Privates schützen
– „Content is king!“
– Grundrechte für das Internet und sein „Bewohner“
und nicht zuletzt:
– Freiheit statt Angst!

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